Hundemüde Hunde

Ihr schwankt noch, ob ihr euch so ein Seminar geben wollt? Ihr könnt euch darunter nicht viel vorstellen? Also, wer da müder ist am Ende - wir Hunde oder unsere Herrchen und Frauchen, das sei einmal dahingestellt. Auf jeden Fall sind wir danach alle in Topform.

Was wir da so alles treiben, wollt ihr wissen? Dann erzählen wir euch am besten vom letzten Jahr. Fangen wir doch zuerst einmal mit den Übungen für uns Blindenführhunde an.

Wie jeder von euch weiß, sind wir Hunde "auch nur Menschen" - wir vergessen so manches oder unsere Hundeführer lassen das eine oder andere ein bisschen verschlampen - oder die Herrschaften Hundelieferfirmen haben manche Disziplinen nie anständig (oder gar nicht) mit uns trainiert.

Bei der Vorstellungsrunde sagen die Hundeführer, welche Dinge sie gerne verbessert hätten, außerdem haben sich die Organisatoren diesen hinterlistigen Übungsparcours für uns Blindenführhunde einfallen lassen. So eine heimtückische Bande! Kennt ihr so etwas? Da gibt es kein Schwindeln, da stellen die Trainer fest, wo allfällige Schwächen liegen - und das geschieht gleich am ersten Tag des Seminars. Der Parcours wird auf dem Hundeabrichteplatz (der uns freundlicherweise vom Schäferhundeverein in Spittal/Drau zur Verfügung gestellt wird), aufgebaut und ist sozusagen eine künstliche, mit Bändern abgeschrankte Baustelle auf der Wiese mit nachgebenden Hindernissen, gegen die man laufen kann, ohne sich zu verletzen. Wir müssen dort unsere Führer über den Parcours führen und die Trainer sehen genau, welche Probleme auftreten, z. B. Höhenhindernisse. Das wird dann besonders geübt. Die Hindernisse sind beweglich und können in unterschiedlicher Anordnung aufgestellt werden. Könnt ihr euch vorstellen, wie wir uns da konzentrieren müssen?

Auf dem Platz gibt es auch Unterordnung in der Gruppe, wobei jeder Hundeführer von einem sehenden Helfer begleitet wird und sich so ganz auf uns konzentrieren kann (seufz). Dann gibt es auf der kleinen Straße zum Hundeplatz noch eine "echte" künstliche Baustelle mit Verkehrszeichenständern, Scherengitter und so weiter (nicht mehr weich), aber das schaffen wir dann schon wieder mit Leichtigkeit.

Wir haben Mobilitätstrainer - heuer wieder Dr. Malecek, wenn es mehr Hundeführer sind, dann sind auch mehr Mobitrainer da - so dass jeder Hundeführer mindestens eine Mobistunde mit uns hat. Dann gibt es Einzeltrainingsstunden für jeden mit den Hundetrainern, ebenfalls in der anspruchvollen Kleinstadt - da haben wir ganz schön geschwitzt, kann ich euch sagen!

Wir hatten auch "böse" = hohe Eisenbahnwaggons zur Verfügung, in denen die Hundeführer mit uns korrekt ein- und aussteigen übten (gar nicht so einfach!!!)

Donnerstag und Freitag haben wir also mit unseren Hundeführern jeweils insgesamt bis zu 4 Stunden am Tag geübt, wobei schon bei der Einteilung darauf geachtet wurde, dass jeder dazwischen ausreichende Pausen hat.

Falls ihr glaubt, dass die Kollegen Service- und Signalhunde nichts zu tun hatten, seid ihr gründlich auf dem Holzweg. Da gibt es natürlich auch jede Menge Unterordnung und dann die diversen Spezialitäten: bringen, Schuhe ausziehen, Wägelchen ziehen, Geräusche anzeigen... Und nicht zuletzt: rein in den Eisenbahnwaggon, raus aus dem Eisenbahnwaggon - ganz schwindlig wird man da!

Am Samstag gab es dann eine Vorführung in der Stadt für das Publikum, die Leute sind immer sehr beeindruckt von unseren so verschiedenartigen Leistungen. Samstag Nachmittag machten wir einen Ausflug - wir haben immer genug Helfer mit; kranke oder gehbehinderte Hundeführer können ein Teilstück mitgehen und dann den Rest mit dem Auto geführt werden. Der Organisator der Ausflüge schaut immer darauf, dass einige Zufahrten zu der Wegstrecke existieren.

Es gibt noch viel zu erzählen, zum Bespiel die Programme für Beamte, Traineranwärter, Angehörige und last but not least behinderte Leute, die wissen wollen, ob ein Hund etwas für sie wäre, aber das bekommen wir Hunde nur teilweise mit, weil wir uns ja auf unsere Arbeit konzentrieren müssen.

Versteht ihr jetzt, wieso wir am Ende des Seminars zufrieden, aber hundemüde sind?

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Letztes Update: 25. 02. 2012


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