Wozu die ganze Bürokratie?

Assistenzhunde sind wertvolle Helfer von Menschen mit Behinderungen und chronischen Krankheiten. Sie nützen aber nur bedingt, wenn man sie nicht überall hin mitnehmen darf, auch dorthin, wo Hunde prinzipiell verboten sind. Weil wir in einem Rechtsstaat leben, müssen solche Ausnahmen natürlich in den jeweiligen Gesetzen geregelt sein. Außerdem muss festgelegt sein, wodurch sich die Assistenzhunde von den übrigen Hunden unterscheiden und woran man dies merkt.

Das ist auch sehr wichtig, wenn ein solcher Hund bezahlt werden soll, ganz gleich, ob von öffentlichen Stellen oder von privaten Sponsoren, Beträge um die € 30.000 sind schließlich keine Kleinigkeit.

Seit dem 1.1.2015 sind endlich alle Assistenzhunde im Bundesbehindertengesetz geregelt. Sie gliedern sich in die Untergruppen

Blindenführhunde

Servicehunde

Signalhunde

Jetzt müssen noch alle Gesetze angepasst werden. Überall dort, wo Hunde normalerweise verboten sind, müssen die Assistenzhunde Zutritt haben.

Ministerielle Logik

Zur Vollziehung eines Gesetzes braucht man vielfach Richtlinien. Also auch zu der des Bundesbehindertengesetzes §39a, die Blindenführhunde betreffend. Darum hat das Sozialministerium auch solche herausgegeben. Dass Richtlinien vollziehbar und logisch sein sollten, erscheint doch selbstverständlich. Glaubt man aber nur. Bei genauerer Betrachtung kommen ganz interessante Details zum Vorschein.

Überzeugen Sie sich selbst!

Die Überschrift "Teambeurteilung durch ein Sachverständigengremium" in Punkt 2.4. lässt darauf schließen, dass zumindest 2 Personen an der Beurteilung des Teams (neuer Hundeführer mit Hund) beteiligt sein sollen.

Aus der Formulierung im Bundesbehindertengesetz §39a "ein gemeinsames Gutachten von Sachverständigen" und "Bei dieser Beurteilung ist vor allem auf Gehorsam, Verhalten und Führfähigkeit des Hundes sowie auf das funktionierende Zusammenspiel des blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen mit dem Hund Bedacht zu nehmen" kann auch nicht abgeleitet werden, dass ausschließlich der Hund von mehreren Personen, das Team jedoch nur von einer Person begutachtet wird. Das würde ja bedeuten, dass diese eine Person allein über die Teamleistung das geforderte gemeinsame Gutachten(gemeinsam mit seinem zweiten Ich?) erstellen müsste.

So ein Quatsch. Wer kommt denn auf so etwas?

Also noch einmal im Klartext:

Bei der sogenannten Teamprüfung muss das neue Team (Hundeführer mit Hund) beurteilt werden. Soweit alles klar.
Darüber hat ein Sachverständigengremium ein gemeinsames Gutachten zu erstellen. Das geschieht, indem die Sachverständigen das Team beobachten - auch klar.

Wo liegt dann das Problem?

Ganz einfach: bei diesen neuen Richtlinien gibt es nur mehr zwei Sachverständige im Gutachtergremium: einen sehenden Kynologen (Hundefachmann) und einen blinden Prüfer.
Die beiden also schauen sich das neue Team genau an - wie bitte? Eben genau das ist es.

Immer noch alles klar?

Hunde erklären...

Guten Tag, sehr geehrte Leser, ich bin die Golden Retrieverhündin Cora. Mein Freund Aly (ein Schäferrüde), meine Freundin Luna (ein Labrador Retriever), und ich sind alle drei von Beruf Assistenzhunde, wir arbeiten jedoch in ganz unterschiedlichen Sparten. Ich bin ein Servicehund, Aly ist ein Blindenführhund, Luna ist ein Signalhund in Ausbildung. ... mehr lesen ...

Letztes Update: 08. 04. 2015


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