Österreichpremiere und wie alles begann

Es ist so weit! Der erste offiziell geprüfte Servicehund für Körperbehinderte ist da! Eigentlich ist es eine Hundedame, die Golden Retrieverhündin Cora. Frau Doris Berger, die auf den Rollstuhl angewiesen ist, hat zusammen mit ihr am 20.Dezember 2002 eine hervorragende Prüfung abgelegt - von 500 möglichen Punkten erreichte das Team 495.

Bild: Auch das Pflegen des Hundes ist Gegenstand der Prüfung

Der gelungenen Prüfung ging eine lange mühselige Geschichte voraus. Bereits 1998 interessierte sich Frau Berger für einen Servicehund, beim Ausbildungszentrum für Partnerhunde in Salzburg erlitt sie zunächst eine Abfuhr - sie müsse zuerst eine Assistenz nachweisen, die 24 Stunden am Tag zur Verfügung steht - wofür sie dann auch noch einen Hund gebraucht hätte, sei dahingestellt. Sie gab aber nicht auf und versuchte es weiter, da sie ihre Unabhängigkeit erweitern wollte. Eine erste Zusammenschulung mit einer Hündin von einer Ausbildungsfirma funktionierte nicht zufriedenstellend. Sie ließ sich aber auch weiterhin nicht entmutigen und entschied sich für Cora von einer anderen Firma - der Erfolg gibt ihr recht.

Den Hund prüfen zu lassen, war gar nicht so einfach. Es gibt für Blindenführhunde ein Gesetz, aber nicht für Servicehunde. "Partnerhunde", was das auch immer sei, können in den Bundesbehindertenpass eingetragen werden, wenn der zuständige Beamte beschließt, dass der jeweilige Hund ein "Partnerhund" sei (ohne zu wissen, was das eigentlich ist; wie sollte er auch, der Begriff umfasst ja alles und nichts). Da gab es nämlich einmal eine Intervention durch Dr. Helmut Zilk wegen eines geistig und körperlich behinderten Kleinkindes, das seinen gespendeten Hund nicht in öffentliche Gebäude mitnehmen durfte (kein Faschingsscherz!), ein Artikel in der Kronenzeitung genügte - die zuständigen Beamten des Sozialministeriums gingen in die Knie und der vollkommen absurde "Partnerhundeerlass" war geboren.

Frau Berger wollte aber nicht irgendeinen Partnerhund - schließlich ist jeder Familienhund ein Partner - sondern einen geprüften Servicehund. Sie wendete sich an den Sozialminister persönlich. Schließlich ersuchte das Bundessozialamt Wien Dr. Helga Wanecek, die Vorsitzende des Vereins "Freunde der Rehabilitationshunde Österreichs" und Dipl. Ing Gloria Petrovics, die ehemalige Prüfungsleiterin für Blindenführhunde, das Team zu begutachten.

Dr. Wanecek fand die Vorstellung, dass ein blinder Mensch ein Team begutachten soll, reichlich skurril und stellte eine Gruppe von Sachverständigen unter der Leitung von Dipl. Ing. Petrovics zusammen, die gemeinsam eine Prüfungsordnung für Servicehunde erarbeiteten und die Prüfung abnahmen.

Die Ausrede des Sozialministeriums, dass Servicehunde nicht ins Bundesbehindertengesetz kommen können, weil es keine brauchbare Prüfung gibt, wurde durch die Prüfer und Frau Berger mit ihrer vierbeinigen Freundin eindeutig widerlegt. Wir warten nun gespannt auf eine Gesetzesvorlage des Sozialministeriums (oder kommt nur die nächste Ausrede?)

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Letztes Update: 04. 02. 2013


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